Big Risks

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Perceptions and Management of Neuralgic Societal Risks in the 21st Century

Team
Ruben Langer, M.A. (Researcher) info
Prof. Dr. Andreas Niederberger (Principal Investigator) info

In Kooperation mit:
Björn Fischbach (UDE-Researcher) info
Anne-Kathrin Fischer (UDE-Researcher) info
Prof. Dr. Achim Goerres (UDE – Principal Investigator) info
Prof. Dr. Rüdiger Kiesel (UDE – Principal Investigator) info

Ein Kooperationsprojekt zwischen Prof. Dr. Achim Goerres (Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. Rüdiger Kiesel (Universität Duisburg-Essen) und Prof. Dr. Andreas Niederberger (Universität Duisburg-Essen). Das Projekt ist Teil des interdisziplinären Profilschwerpunktes „Wandel von Gegenwartsgesellschaften“ an der Universität Duisburg-Essen. Die Finanzierung erfolgt mit Mitteln der Funk Stiftung.

In Rahmen dieses Projekts wird der öffentliche Umgang mit neuralgischen gesellschaftlichen Risiken im 21. Jahrhundert erforscht. Als derartige Risiken zählen beispielsweise der Klimawandel, der demographische Wandel wie auch Staatsdefizite. Das Projekt zielt darauf ab, fächerübergreifende Fragestellungen aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der praktischen Philosophie, der politischen Soziologie und der Finanzmathematik zu beantworten.
Im Fokus der praktischen Philosophie liegen zum einen epistemische Schwierigkeiten des „Wissens“ von Risiko. Zum anderen erlaubt sie eine normative Einschätzung von Risiken vorzunehmen und Umgangsweisen mit diesen zu entwickeln. Die politische Soziologie untersucht den Schnittpunkt von Politik und Gesellschaft. Ihre Methoden ermöglichen es, ein besseres Verständnis der Rückwirkungen gesellschaftlicher und politischer Standpunkte auf individuelle Meinungsbildungsprozesse zu entwickeln. Die Finanzmathematik stellt Mittel zur Bestimmung quantifizierbarer Risiken bereit und bietet darüber hinaus die Möglichkeit, Techniken zur Diversifizierung und Eindämmung von Risiken zu entwickeln.
Obschon ein zentrales Konzept der Wirtschaftswissenschaften und der Betriebswirtschaftslehre, wurde Risiko in einem weiteren Sinne bisher kaum aus disziplinübergreifender Perspektive erforscht.

Neben dem gemeinsamen Forschungsinteresse verfolgen die beteiligten Disziplinen auch stärker disziplingebundene Einzelprojekte. Der Schwerpunkt der praktischen Philosophie liegt gegenwärtig auf dem anthropogenen Klimawandel und sogenannten „Paradoxien der Verantwortung“.

Angesichts der Herausforderung des Klimawandels wird oft die Forderung laut, einzelne Staaten oder auch die gesamte Menschheit möge endlich ihrer kollektiven Verantwortung nachkommen. Aber selbst unter der Annahme, dass wir genau wüssten, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um die Gefahren des Klimawandels einzudämmen, bleibt es schwierig, sich diejenigen Bedingungen vorzustellen, unter denen der zu ihrer Ergreifung nötige kollektive Akteur entstehen könnte. Das wirft eine Reihe schwieriger normativer Fragen auf: Worin bestehen die Pflichten von Individuen, Staaten oder Unternehmen, von denen anzunehmen ist, dass sie alleine nicht dazu in der Lage sind, die Risiken des Klimawandels einzudämmen? Sollen sie diejenigen Pflichten erfüllen, die sie als Teil des kollektiven Akteurs hätten – auch wenn es sich dabei möglicherweise um vergebliche Bemühungen handelt, die darüber hinaus ihre Ausgangsposition im Rahmen eines nicht auszuschließenden Anpassungsprozess an den Klimawandel verschlechtern würden. Oder sollen sie solchen Pflichten nachgehen, die stärker am individuellen Wohl der Akteure orientiert sind, was paradoxerweise dazu führen könnte, dass die Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein kollektiver Akteur entsteht, weiter abnimmt und die Risiken des Klimawandels weiter erhöht werden.
Das Projekt hat zum Ziel (a) ein besseres Verständnis derjenigen Bedingungen zu entwickeln, die für die Entstehung eines kollektiven Akteurs gegeben sein müssen, und (b) Strategien zu entwickeln, die Einzelakteuren erlauben gegen Risiken wie den Klimawandel vorzugehen, ohne sich in Paradoxien der Verantwortung zu verstricken.

Im ersten Projektjahr lag der Forschungsschwerpunkt auf den moralisch relevanten Eigenschaften des Klimawandels. So ist es zwar weithin anerkannt, dass der Klimawandel solche Eigenschaften besitzt, doch ist umstritten, inwiefern sie in der Begrifflichkeit eines Gerechtigkeitsproblems oder doch eines anderen zentralen moralischen Prinzips zu fassen sind. Manche Autoren verstreten gar die Meinung, dass keine der etablierten normativen Theorien dazu geeignet ist, den Klimawandel zu konzeptualisieren. Zu dieser Fragestellung  wurde eine internationale Konferenz unter dem Titel “What’s So Disturbing About Climate Change?” im Juni 2016 veranstaltet.

Der Schwerpunkt des zweiten Projektjahres wird unter anderem auf dem Aspekt der Unsicherheit liegen, der jedes Risiko wesentlich charakterisiert. Dieser wirft neben konzeptuellen und eher theoretisch gelagerten Fragen auch eine Reihe interessanter normativer Probleme auf. Das Projekt Big Risks plant vom 8.-10. März 2017 einen interdisziplinären Workshop zu diesem Thema unter dem Titel “Uncertainty & Action“.

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